Home Hintergrund Künstler Über uns CD PR-Material Termine Links Gästebuch Kontakt


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine musikalische Reise in die elegante Welt der Salons und Konzertsäle um 1900

 

Das Harmonium ist wieder zurück im Konzertsaal. Lange Zeit vergessen oder missverstanden, meldet sich ein Instrument zurück, das zu den faszinierendsten Entwicklungen des Instrumentenbaus des 19. Jahrhunderts gehört. Es ist die Historische Aufführungspraxis Alter Musik, die ein neues Licht auf das Harmonium geworfen hat. Längst begnügen sich die avancierten und entdeckungsfreudigen Musiker bei ihrer Suche nach verborgenen Schätzen der Musikgeschichte nicht mehr mit dem Barock und der Klassik. Auch die Romantik wartet darauf, mit neuem Interesse betrachtet zu werden.

 

Diese Konzert-Reise führt in die großen Salons von Paris, Wien und Berlin, wo nach 1830 das Harmonium als Solo- und Kammermusikinstrument seinen Siegeszug antritt. Das Tasteninstrument, das über fußbetriebene Blasebälge Metallzungen zum Schwingen und damit Klingen bringt, entspringt dem Versuch, eine (Haus-)Orgel zu entwickeln, die über expressive, dynamische Klangeigenschaften verfügt. Schon bald komponieren große Tonsetzer wie Rossini und Liszt für das neue Instrument, und insbesondere in Frankreich sind Meister wie César Franck von den Möglichkeiten des Harmoniums fasziniert.

 

Zahlreiche Originalkompositionen entstehen, ob für Harmonium allein oder in kammermusikalischer Besetzung. Oft tritt ein Klavier als zweites Instrument hinzu, solistische Streicher, insbesondere die Violine und das Cello, ergänzen die Ensembles. Insbesondere diese Kombination wird in den Salons der Gründerzeit so beliebt, dass viele Komponisten von Offenbach bis Johann Strauß ihre Werke für Ensembles mit Harmonium uminstrumentieren. Arnold Schönberg und Anton Webern verdienen sich in jungen Jahren Geld mit Arrangements der großen Strauß-Walzer für derartige Salonensembles.

 

Nachdem Saugwindinstrumente nach dem 2. Weltkrieg oftmals durch Bombenangriffe zerstörte Kirchenorgeln ersetzen mussten, geriet das Konzertharmonium, das mit einem Druckwindsystem funktioniert, wie auch die hinreißende Originalliteratur für Harmoniumensemble in Vergessenheit. Diese Kircheninstrumente, oft als "Missionsorgel", "Choralquetsche" oder "Seelenfänger" betitelt, haben mit einem Kunst- oder Konzertharmonium nichts zu tun. Der zweifelhafte Ruf weltlicher Gelegenheitskompositionen minderer Qualität trug ebenfalls (Stichwort ‚Kitsch’) maßgeblich zum Verschwinden des Harmoniums aus dem musikalischen Bewusstsein bei.

 

Es ist das Verdienst von Ensembles wie dem „Quatuor Romantique“, dass das Interesse an dieser Epoche wieder erwacht. Nicht zufällig kommen alle Mitglieder des Ensembles aus der Bewegung der Historischen Aufführungspraxis. Sie sind gefeierte Solisten der Alten Musik, die sich hier ganz dem 19. Jahrhundert widmen. Sie interpretieren die anspruchsvollen Werke von Meistern wie Meyerbeer oder Liszt ebenso brillant wie die wundervoll beschwingten Walzer der Salonmusik, ob von Lanner, Ziehrer, Offenbach, Waldteufel oder Strauß. Zumal dem „Quatuor Romantique“ mit dem Druckwind-Reiseharmonium von J.& P. Schiedmayer aus der Zeit um 1910 ein wundervolles historisches Instrument zur Verfügung steht, das leicht an die verschiedensten Orte adaptiert werden kann, vom intimen Rahmen bis zum Konzertsaal.

 

Das „Quatuor Romantique“ entführt in eine vergessen geglaubte Zeit voller Eleganz und Raffinesse. Kennerschaft und instrumentale Meisterschaft verbinden sich mit dem Glanz und Esprit einer Epoche, in der Anspruch und Unterhaltung kein Widerspruch waren.

    Thomas Höft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zurück Home Weiter